Aussenlandebericht

Außenlandung von Detlev Hopenrath, am 10.08.2004, Ort :Saalbach Hinterglemm, Landezeit: ca. 14 UTC

"Die folgende Schilderung meiner Außenlandung veröffentliche ich sehr ungerne - weil sie keine fliegerische Glanzleistung beschreibt, sondern eine Reihe von Fehlleistungen. Andererseits möchte ich sie veröffentlichen, weil sie vielleicht anderen hilft, solche dämlichen Fehler erst gar nicht zu machen. Fliegen und Stress sind eine unvereinbare und eine potentiell tödliche Kombination.

Hier also der Bericht meines unrühmlichen Abenteuers: Ich war an einem wunderschönen Tag unterwegs, der allerdings leichte Tendenzen zur Überentwicklung hatte (und es gab Gewitterwarnungen für den Nachmittag).

Ich war im Teamflug von Unterwössen aus auf dem Weg zum Hauptkamm, die beiden anderen Maschinen waren meiner PW5 deutlich in der Geschwindigkeit beim Vorfliegen überlegen. Ich schaffte es dennoch mitzufliegen, allerdings um den Preis, dass es eigentlich kein schönes Fliegen mehr war, sondern es ging schlicht darum, alles aus dem Flieger rauszuholen und dranzubleiben Normalerweise vermeide ich Stress beim Fliegen wie der Teufel das Weihwasser, aber an diesem Tag habe ich mich hinreissen lassen. Das war der erste große Fehler.

Irgendwann kamen wir am Glockner an und merkten, dass sich der Wind veränderte, es wurde zudem recht turbulent. Ich begann das Wetter genauer zu beobachten und sah schließlich, dass sich über Innsbruck eine Zelle bildete. Kurz drauf war auch am Wilden Kaiser ein schöner CB zu sehen. Ich warnte die anderen und wir machten uns auf den Rückflug. Im Wenden sah ich, dass sich nun auch unmittelbar hinter uns ein weiterer CB sehr schnell aufbaute. (zweiter Fehler - nur in einer Richtung aufgepasst).

Die anderen konnten mit ihren der PW überlegenen Maschinen und der größeren Höhe das Salzachtal problemlos queren. Ich hatte den zusätzlichen Nachteil, dass ich deutlich tiefer war und in einem Bereich, wo der CB schon großflächig absaugte. Auf dem Rückflug Richtung Zell kam ich in brachiales Saufen, so dass ich das Tal unter Niveau der Schmittenhöhe erreichte.
Ich sprach kurz mit Zell über Funk und bekam dabei auch den heißen Tipp, dass es über der Ortsmitte noch gehen müsste. Was tatsächlich so war, ich holte mir hier in einem unglaublichen Bart binnen weniger Minuten fast 1500 Meter.Kurzer Rundblick - CB im Anzug über Kitzbühel, zweiter CB bei Sankt Johann auf dem Weg zu den Loferern. Kurze Rechnung im Kopf: Wenn ich jetzt Richtung St. Johann jetzt abfliege, reicht die Höhe, um bei Saalbach zu queren und St. Johann zu erreichen. Ich komme dann vor dem Kitzbühler CB und auf der Rückseite des CB, der gerade in St. Johann steht, wunderbar durch. Falls es unterwegs zu stark fällt, komme ich noch über den Pass.
Das war meine dritte schwere Fehlentscheidung an diesem Tag - die hirnrissige Idee, zwischen zwei CBs über unlandbarem Gebiet durchzufliegen, obwohl ich einen sicheren Platz direkt unter mir hatte. Und das alles bloß weil ich unbedingt nach Hause wollte bzw. weil ich von der ständigen Aufholjagd des bisherigen Tages in einer Art Rennmodus war - was mir aber erst später bewußt wurde. Meine mentale Einstellung war: Du schaffst es, an den anderen dranzubleiben, auch wenn Du in einem unterlegenen Flieger sitzt... Schön blöd, sage ich im Nachhinein dazu.

Wie auch immer, ich flog also ab. Es kam, was kommen musste, die beiden CBs saugten so stark und großflächig ab, dass ich über den Pinzgauern fiel wie ein Stein. Als ich merkte, was auf mich zukam, war es schon zu spät zum Umdrehen. Außerdem war der Kitzbühler CB schneller als gedacht: Als ich über Saalbach ankam, hatte ich mich selbst schon fast planmäßig aller Optionen beraubt, und das aus purer Dummheit. Zwei Kilometer vor mir über Hinterglemm stand eine schwarze Wand, die jede Sicht nach Westen blockierte. Unter mir nur ein eng eingeschnittenes Tal ohne Landemöglichkeit. Die Hänge (Bergauflandung) ebenfalls unwirtlich.
Allmählich spitzt sich die Sache zu, wenn jetzt kein WUNDER passiert,...
Ich versuchte noch ins Tal nach Norden zum Pass einzufliegen.In dem Moment, wo ich Kurs auf den Pass hatte, hörte ich sehr deutlich eine innere Stimme in mir: "Wenn Du jetzt weiterfliegst, stirbst Du heute". Ich ging unmittelbar in eine enge Umkehrkurve und flog zurück über Saalbach. Dort überschlug ich im Kopf noch einmal meine Optionen, die sich schließlich sehr einfach zusammenfassen ließen: Keine Möglichkeit außer Rettungsfallschirm, Landung nicht machbar ohne das Leben zu riskieren. Ich war dabei mich abzuschnallen, als die schwarze Wand im Westen sich ein wenig lichtete - und durch die Lücke war ein breiter Sunbeam zu sehen, der wie ein riesiger Spot direkt auf ein grünes, ebenes Fleckchen Erde leuchtete.
Ich konnte es nicht fassen, es kam mir in diesem Moment vor wie ein Fingerzeig direkt aus dem Himmel. Und es war einer der schönsten Anblicke, die man sich in einem solchen Moment vorstellen kann.

Kaum hatte ich das schöne Fleckchen Erde gesehen, ging ich auf Kurs. Meine Höhe war so gering und der Wind so stark (ich war in der Nähe der Böenwalze), dass ich nur noch einen Direktanflug machen konnte. Wegen des ruppigen Windes musste ich zudem sehr schnell anfliegen. Also - keine Orientierungsrunde über der Wiese mehr, kein genaues Erkunden, sondern nur ein einziger Versuch, sozusagen blind.


Direkt im Anflug tauchte unter mir ein Windsack auf - Aufatmen, unten am Boden herrschte Talwind, ich musste nicht mit dem Wind landen (was mich bis heute wundert, weil auf der anderen Seite der CB stand, der Wind hätte andersrum blasen müssen). Weniger schön: Fast direkt im Anflug zwei große Gebäude. Ich überflog sie in Schornsteinhöhe, denn die Wiese sah verdammt kurz aus, 200 Meter lang vielleicht. Nach den Häusern eine Baumreihe, auch ganz knapp drüber weg. Volle Klappen, so viel Fahrt rausziehen wie möglich - und tatsächlich, ich kriegte die Wiese ganz früh unters Rad. Dann noch eine Überraschung - die erste Hälfte der Wiese war voller Buckel, recht hohe noch dazu, mit richtigen Tälern dazwischen. Eisiger Schreck - wenn ich zwischen die Buckel komme, bleiben die Flächen hängen. Also eine kleine Korrektur direkt auf einen Buckel zu. Die Pw macht einen riesigen Satz wie über einen Schanze, doch dann sitzt sie und rollt, nimmt die Bremse an. Ich habe es hinterher abgeschritten: 78 Meter nach der ersten Bodenberührung steht der Flieger.
Glück gehabt nach all der Idiotie des Tages...
Soweit mein unrühmlicher Bericht - möge er anderen helfen, sich nicht so leichtsinnig in Gefahr zu bringen.

Beurteilung

Landerichtung

Landerichtung etwa 24
Gegenrichtung nicht empfehlenswert (hohe Hindernisse, Wind)
im Endanflug gut erkennbarer Windsack
im Endanflug Hindernisse (Bauten, Bäume)
im östlichen Teil des Landefeldes Hindernisse (Buckel, aus der Luft schwer erkennbar)
Gefahr von Ringelpietz (nicht zwischen die Buckel landen)
präzise Kurzlandung und geeignetes Flugzeug erforderlich!
einzige Landemöglichkeit in weitem Umkreis

Bodenbeschaffenheit

hart und eben

Oberfläche und Bewuchs

Wiese, gemäht, trocken
Buckel im östlichen Teil, kurzer Bewuchs

Landefeld

östlich des Ortskerns Hinterglemm, südlich des Baches auf der südlichen Talseite, Länge ca. 200 Meter nur für Notsituationen empfehlenswert, nicht geeignet als Standard-Außenlandewiese!

Flugweg:
Unterwössen
Loferer
Leoganger
Hochkönig
Dientener
Wiesbachhorn
Kitzsteinhorn
Glocknergebiet
Kurs Mittersill
nach zu viel Höhenverlust nach LOWZ
dort Höhe getankt
Saalbach - Hinterglemm.
Langer Mensch und kurzer Flieger.
Aber manchmal ist man eben froh, wenn der Flieger so klein ist, dass man damit auch noch auf einem Handtuch landen kann. Mit einem Gleitwunder von Flugzeug hätte die Landung wohl einen anderen Ausgang gehabt.